AIDS HILFE SCHWEIZ

Gesundheit / Medizin

15.12.2010

Maraviroc (Celsentri®): Vereinfachtes Testverfahren, mehr Einsatzmöglichkeiten

Maraviroc ist der erste Wirkstoff einer neuen Substanzklasse, der CCR5-Inhibitoren. In der Schweiz zugelassen seit Januar 2008, haperte der Einsatz in der Praxis, vor allem bedingt durch das vor Gebrauch nötige aufwendige, langwierige und teure Testverfahren. Für Abhilfe sorgen könnte ein neuer Test, entwickelt in Basel.

Wie funktioniert ein CCR5-Inhibitor?
CCR5 ist eine der beiden Eintrittspforten an der CD4-Zelloberfläche, durch die das HI-Virus in die Abwehrzelle eindringt und sie infiziert, die andere wird CXCR4 genannt. Nach einer Infektion und im Anfangsstadium der HIV-Infektion gelangt die grosse Mehrheit der Viren via CCR5 in ihre Zielzellen. Speziell bei der unbehandelten HIV-Infektion kann sich das im Laufe der Zeit ändern und mehr Viren werden via CXCR4 übertragen. Maraviroc verschliesst die CCR5-Pforte, das Virus kann also nicht mehr auf diesem Weg in die Zelle eindringen. Den Verschluss von CCR5 gibt es übrigens auch in der Natur, allerdings selten. In Nordeuropa weisen 5-14% der Bevölkerung eine sogenannte CCR5 Delta 32 Mutation auf. In Afrika oder Asien kommt diese fast nicht vor. Diese Mutation schützt die CD4-Zellen vor einer Infektion mit HIV via CCR5.

Weil das HI-Virus manchmal die CXCR4-Eintrittspforte benutzt, muss das vor dem Einsatz von Celsentri® bei jedem Patienten und jeder Patientin geprüft werden. Bei diesem HIV-Tropismustest wird festgestellt, welcher Virentyp bei der infizierten Person vorherrscht. Für den bisher benutzten Test Trofile® musste eine Blutprobe auf Trockeneis in ein kalifornisches Labor geschickt werden, und man wartete bis sechs Wochen auf das Resultat. Weil man nicht immer solange warten konnte, und auch weil das Verfahren sehr teuer war (Kosten ca CHF 1'200.- ), wurde Maraviroc nur bei wenigen Patienten eingesetzt. In der Regel erst dann, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft waren.

Ein neues Nachweisverfahren
In der Schweiz wurde mit XTrack© vor kurzem ein eigenes Verfahren entwickelt. XTrack© kostet CHF 850.- , das Resultat ist in einer Woche da. Angeboten wird er vom Institut für medizinische Mikrobiologie der Universität Basel. Die Uniklinik Zürich sowie niedergelassene Spezialisten in der Region verwenden den Test bereits, weitere Zentren in der deutschen Schweiz sollten demnächst folgen. Bis der neue Test kassenzulässig ist (das behördliche Verfahren ist aufwendig), übernimmt ViiV die Kosten.

Die Normaldosierung von Maraviroc ist zweimal täglich 300mg. Wird gleichzeitig ein geboosteter Proteaseinhibitor verwendet, wird die Dosis auf 150mg zweimal täglich reduziert; bei gleichzeitiger Verwendung von Efavirenz oder Etravirine wird sie auf 600 mg zweimal täglich verdoppelt. In Studien und in der Praxis hat sich Maraviroc mit einem günstigen Lipidprofil bewährt und als generell gut verträglich erwiesen. Per 1. Dezember 2010 wurde zudem ein neuer, um rund 75 Fr. pro Monat tieferer Preis verfügt (Maraviroc Monatsdosis neu Fr. 1'312.05 für 150 oder 300mg). Ebenfalls entfällt die bisherige Anwendungseinschränkung, und Maraviroc kann nun bei vorbehandelten Patienten bereits als Zweittherapie eingesetzt werden.

Europäische Aktivisten haben seinerzeit die Entwicklung der CCR5-Inhibitoren mit Sorge verfolgt. Man befürchtete, dass diese Medikamentenklasse das Immunsystem in einem nicht absehbaren Ausmass beeinflussen könnte. Bislang wurden keine Hinweise gefunden, die Anwendung von Maraviroc in der Praxis ist erstaunlich problemlos. Um Sicherheitsprobleme völlig auszuschliessen, braucht es aber noch mehr Erfahrung. Die globale Maraviroc Sicherheitsstudie POEM läuft bis 2018. Zudem wären Daten betreffend Anwendungssicherheit der Substanz in HCV-koinfizierten Patienten eine wichtige Ergänzung.

Fazit: Der neue Nachweistest ist ein wichtiger Fortschritt. Die nach wie vor hohen monatlichen Medikamentenkosten bleiben aber eine wichtige Hürde, die einer breiten Anwendung von Maraviroc vorläufig im Wege stehen.

Text: David Haerry     Bild: photocase.com

 

Kommentar Schreiben

max. Anzahl Zeichen: 600. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Das gilt insbesondere für unsachliche oder diskriminierende Kommentare. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt

Sicherheitscode

 

zurück zu Gesundheit / Medizin

zurück zum aktuellen Newsletter